Für Einsteiger und Fortgeschrittene
Fachbegriffe aus dem Bogensport
Linksgewundene Feder
Eine linksgewundene Feder ist eine Naturfeder, deren natürliche Krümmung bzw. Struktur (Sitz der Federn relativ zum Federkiel, Federn und Kiel bilden ein „L“) so verläuft, dass sie – korrekt montiert – den Pfeil im Flug nach links rotieren lässt (gegen den Uhrzeigersinn, von hinten betrachtet).
Bedeutung beim Pfeilbau:
- Naturfedern gibt es als rechts– oder linksgewunden
- Alle Federn auf einem Pfeil müssen die gleiche Wundrichtung haben
- Die Wundrichtung beeinflusst die Drehrichtung des Pfeils im Flug
Wirkung:
- Stabilisiert den Pfeil durch Rotation
- Verbessert die Flugruhe
- Besonders relevant bei helical (schräg geklebter) Befiederung
Ob links- oder rechtsgewunden, ist technisch meist zweitrangig – wichtig ist die Einheitlichkeit.
Linksschütze/Linkshandschütze
Ein Linkshandschütze ist ein Schütze, der den Bogen in der rechten Hand hält und die Sehne mit der linken Hand zieht.
Merkmale:
- Pfeil liegt (bei Recurve/Langbogen) auf der rechten Seite des Bogens
- Zielauge ist meist das linke dominante Auge
- Spiegelbild zum Rechtshandschützen
Wichtig:
Im Bogensport richtet sich die Schießseite in erster Linie nach dem dominanten Auge, nicht nach der Schreibhand.
Lösen
Das Lösen bezeichnet den Moment, in dem die Zughand die Sehne freigibt und der Pfeil abgeschossen wird. Es ist einer der entscheidendsten Teile des Schussablaufs, da hier bestimmt wird, wie sauber die gespeicherte Energie auf den Pfeil übertragen wird. Wichtig beim Lösen:
- Keine aktive „Ruckbewegung“
- Finger entspannen sich kontrolliert
- Zugbewegung läuft weiter nach hinten (Rückenspannung)
- Kein seitliches Wegspringen der Hand
Ziel:
- Minimaler Einfluss auf die Sehne
- Geradlinige Kraftübertragung
- Konstante Trefferbilder
Beim Compound geschieht das Lösen meist über ein Release, beim Recurve oder traditionellen Bogen über die Finger.
Masters
Alterseinteilung des DSB für Bogen Wettkämpfe. Schützen der Klasse Masters sind von 50-65 Jahre alt.
Mediterraner Griff
Der mediterrane Griff ist eine klassische Technik, bei der die Sehne mit drei Fingern gezogen wird:
- Zeigefinger über dem Pfeil
- Mittel- und Ringfinger unter dem Pfeil
Der Pfeil liegt dabei zwischen Zeige- und Mittelfinger.
Merkmale:
- Weit verbreitet im Recurve- und traditionellen Bereich
- Gute Kontrolle der Sehne
- Gleichmäßige Kraftverteilung
Diese Technik ist eine der ältesten und am häufigsten verwendeten Zugarten im Bogensport.
Mittelteil
Das Mittelteil – auch Riser genannt – ist der zentrale Bestandteil des Bogens. Es verbindet die beiden Wurfarme und bildet die technische Basis des gesamten Setups.
Funktionen:
- Aufnahme und Befestigung der Wurfarme
- Montagepunkt für Visier, Button, Pfeilauflage, Stabilisatoren
- Bestimmt Balance und Stabilität
- Beeinflusst Schussverhalten und Ergonomie
Materialien:
- Aluminium
- Carbon
- Holz (bei traditionellen Bögen)
Bei modernen Recurvebögen ist das Mittelteil häufig mit Einstellmöglichkeiten (z. B. Tiller, Wurfarm-Ausrichtung) ausgestattet.
Mittenwicklung
Die Mittenwicklung (Center Serving) ist die Wicklung im mittleren Bereich der Bogensehne – dort, wo der Pfeil eingenockt wird und die Finger oder das Release greifen.
Funktionen:
- Schutz der Sehnenstränge vor Abrieb
- Definierte Auflagefläche für die Nocke
- Grundlage für den Nockpunkt
Die Mittenwicklung besteht aus speziellem, abriebfestem Garn und wird straff um die Sehne gewickelt.
Ihre Stärke beeinflusst:
- Die Haltbarkeit der Sehne
- Wie fest die Nocke auf der Sehne sitzt
- Das Schussgefühl
Nachhalten
Nachhalten bezeichnet das bewusste Beibehalten der Körper- und Bogenposition nach dem Lösen des Pfeils. Der Schütze bleibt dabei ruhig im Ziel, hält Spannung im Rücken und lässt den Schuss „auslaufen“, statt sofort zusammenzufallen oder den Blick vom Ziel zu nehmen.
Warum ist Nachhalten wichtig?
- Verhindert unbewusstes Verreißen
- Unterstützt sauberen Pfeilflug
- Sichert eine konstante Technik
- Fördert mentale Ruhe
Typisch ist:
- Blick bleibt im Ziel
- Zughand bewegt sich kontrolliert nach hinten
- Bogen kippt (bei Recurve) entspannt nach vorne
Naturfeder
Eine Naturfeder ist eine echte Vogelfeder – meist vom Truthahn – die zur Befiederung von Pfeilen verwendet wird. Sie sorgt für die Stabilisierung des Pfeils im Flug, indem sie Luftwiderstand erzeugt und leichte Flugabweichungen ausgleicht.
Eigenschaften:
- Weich und flexibel
- Kompressibel (gibt beim Kontakt mit dem Bogen nach)
- Besonders geeignet für das Schießen „über den Handrücken“
- Leiser im Flug als Kunststoffvanes
Einsatz:
- 3D-Bereich
- Traditionelles Bogenschießen
- Langbogen
- Recurve ohne Pfeilauflage
Nockadapter
Beiter Nockadapter kommen zum Einsatz, um Schäfte mit asymetrischen Beiter Nocken in Standard Aufnahmen von Befiederungsgeräten einzusetzen. Sie sind Werkzeuge für den Pfeilbau.
Nockboden
Der Nockboden ist die innere Anlagefläche in der Nocke, an der die Sehne beim Einnocken anliegt. Er bestimmt:
- Wie tief die Sehne in der Nocke sitzt
- Wie fest der Pfeil auf der Sehne gehalten wird
- Wie sauber die Kraft beim Schuss übertragen wird
Ein sauber gefertigter Nockboden sorgt für:
- Gleichmäßige Auslösung
- Konstante Trefferbilder
- Sicheren Halt ohne zu klemmen
Ist der Nockboden beschädigt oder verschmutzt, kann das den Schuss negativ beeinflussen.
Nocke
Die Nocke ist das hinterste Bauteil des Pfeils. Sie wird auf das Ende des Schafts gesteckt oder eingeklebt und dient dazu, den Pfeil mit der Sehne zu verbinden.
Funktionen:
- Fixiert den Pfeil auf der Sehne
- Überträgt die Energie der Sehne auf den Pfeil
- Bestimmt die korrekte Ausrichtung (Leitfeder-Position)
Typen:
- Stecknocke (Push-In)
- Pin-Nocke
- Klebenocke
- Beiter-Nocke (präzise Systemnocke)
Wichtig ist, dass die Nocke passend zur Sehnenstärke gewählt wird – sie darf nicht zu locker, aber auch nicht zu fest sitzen.
Nockpunkt
Der Nockpunkt ist die markierte Stelle auf der Mittenwicklung der Sehne, an der der Pfeil eingenockt wird. Er bestimmt die vertikale Position des Pfeils auf der Sehne und beeinflusst damit direkt den Pfeilflug. Vorsicht: Nicht zu verwechseln mit den Nockpunkt Begrenzern. Diese halten den Pfeil am Nockpunkt.
Funktionen:
- Sorgt für gleichmäßigen Abschuss
- Verhindert Hoch- oder Tiefschüsse
- Wichtiger Bestandteil des Tunings
Der Nockpunkt wird meist mit:
- Messingklemmen oder
- gewickeltem Garn (Nockpunktwicklung)
gesetzt.
Nockpunkt Überhöhung
Die Nockpunkt-Überhöhung bezeichnet die leichte Anhebung des Nockpunkts über die waagerechte Linie der Pfeilauflage. Das bedeutet, das derer Nockpunkt minimal höher gesetzt wird, sodass der Pfeil hinten leicht höher steht als vorne. Dies ist nötig, da beim Abschuss die Kraft der Sehne nicht exakt durch die Pfeilmitte wirkt. Eine kleine Überhöhung sorgt dafür, dass der Pfeil sauber aus dem Bogen herausläuft und nicht „ins Ziel taucht“ oder springt. Ein typischer Richtwert ist ca. 3–10 mm über 90°-Linie (je nach Setup). Probleme mit der Nockpunkt Erhöhung sind erkennbar durch die Beobachtung des Pfeilflugs, einen Blankschaft-Test oder einen Papier-Test.
Nockpunktbegrenzer
Ein Nockpunkt-Begrenzer ist ein kleines Element auf der Sehne, das den Pfeil am Nockpunkt in Position hält und ein Verrutschen verhindert. Er wird oberhalb – und oft auch unterhalb – der Nocke angebracht. Es gibt diese als Messingklemme (aufgepresst) oder gewickelten Begrenzer aus Garn.
Funktion:
- Fixiert die vertikale Position des Pfeils
- Sorgt für konstante Abschussbedingungen
- Bestandteil des Tunings
Gewickelte Begrenzer sind leichter und schonender für Tab oder Handschuh, während Messingklemmen schneller zu montieren sind.