Für Einsteiger und Fortgeschrittene
Fachbegriffe aus dem Bogensport
Powerstroke
Der Powerstroke (auch „Arbeitsweg“ genannt) bezeichnet im Bogenschießen die Strecke, über die die Sehne den Pfeil beim Abschuss nach vorne beschleunigt. Genauer gesagt:
Es ist die Distanz zwischen der Standhöhe (Brace Height – Abstand von Sehne zum Griff im ungespannten Zustand) und der Position der Sehne im Vollauszug.
👉 Je länger der Powerstroke, desto länger wirkt die Kraft der Wurfarme auf den Pfeil – und desto mehr Energie kann auf ihn übertragen werden.
👉 Ein kürzerer Powerstroke (z. B. durch eine hohe Standhöhe) kann dagegen ruhigeres Schussverhalten und mehr Fehlerverzeihung bringen.
Primitivbogen
Ein Primitivbogen ist eine sehr ursprüngliche Bogenform, die möglichst nah an historischen oder steinzeitlichen Vorbildern gebaut wird. Er besteht meist aus einem einzigen Stück Holz (Selfbow) und kommt ohne moderne Materialien wie Glasfaser oder Carbon aus.
Merkmale:
- Einteilig gebaut
- Keine technischen Anbauteile
- Naturmaterialien (Holz, Sehne, Naturfasern)
- Oft ungleichmäßige, natürliche Form
- Wird i.d.R. mit Holzpfeilen geschossen
Der Fokus liegt auf Handwerk, Tradition und Einfachheit – weniger auf maximaler Leistung.
RE
Recurve (Olymischer Recurve). Bogenklasse nach den Regeln der WA.
Rechtsgewundene Feder
Eine rechtsgewundene Feder ist eine Naturfeder, deren natürliche Krümmung so verläuft, dass sie – korrekt montiert – den Pfeil im Flug nach rechts rotieren lässt (im Uhrzeigersinn, von hinten betrachtet).
Bedeutung beim Pfeilbau:
- Naturfedern gibt es als rechts- oder linksgewunden
- Alle Federn auf einem Pfeil müssen die gleiche Wundrichtung haben
- Die Wundrichtung bestimmt die Drehrichtung des Pfeils
Wirkung:
- Stabilisiert den Pfeil durch Rotation
- Unterstützt sauberen, ruhigen Flug
- Besonders relevant bei schräger oder helikaler Befiederung
Ob rechts- oder linksgewunden ist technisch meist nebensächlich – wichtig ist die einheitliche Verwendung.
Rechtshandschütze
Ein Rechtshandschütze ist ein Schütze, der den Bogen in der linken Hand hält und die Sehne mit der rechten Hand zieht.
Merkmale:
- Pfeil liegt (bei Recurve/Langbogen) auf der linken Seite des Bogens
- Zielauge ist meist das rechte dominante Auge
- Spiegelbild zum Linkshandschützen
Wichtig:
Im Bogensport richtet sich die Schießseite in erster Linie nach dem dominanten Auge, nicht nach der Schreibhand.
Recurve
Ein Recurvebogen ist eine Bogenform, bei der die Wurfarmenden im entspannten Zustand nach vorne vom Schützen weg gebogen sind. Diese geschwungene Form („Re-curve“ = zurückgebogen) sorgt für eine effiziente Energieübertragung.
Merkmale:
- Geschwungene Wurfarmenden
- Gute Pfeilgeschwindigkeit
- Häufig mit Visier, Klicker und Stabilisatoren (im Wettkampfbereich)
- Auch als traditioneller Recurve ohne Anbauteile erhältlich
Der Recurvebogen ist die olympische Bogenform im Zielschießen.
Reflex
Reflex beschreibt eine Bogenform, bei der sich die Wurfarme im entspannten Zustand zum Schützen hin biegen. Das Gegenteil davon ist Deflex, bei dem sich die Wurfarme vom Schützen weg biegen.
Wirkung von Reflex:
- Höhere gespeicherte Energie
- Schnellere Pfeilgeschwindigkeit
- Oft dynamischeres Schussverhalten
- Teilweise weniger fehlerverzeihend
Viele leistungsorientierte Bögen besitzen eine gewisse Reflex-Geometrie, um mehr Performance zu erreichen.
Reiten
Mit „Reiten des Pfeils“ ist gemeint, dass der Pfeil beim Abschuss nicht sauber von der Pfeilauflage oder dem Bogenfenster weggeführt wird, sondern darauf „aufsitzt“ oder entlangrutscht. Das kann passieren durch:
- Falschen Nockpunkt
- Unpassenden Spine
- Fehlerhafte Center-Shot-Einstellung
- Ungünstige Befiederung
- Technische Fehler beim Lösen
Folgen:
- Unruhiger Pfeilflug
- Streuung
- Seitliche oder vertikale Abweichungen
Oft erkennt man das Problem durch:
- Unsauberen Blankschaft– oder Papiertest
- Abnutzungsspuren an Auflage oder Fenster
Reiterbogen
Ein Reiterbogen ist ein meist kurzer, stark reflexer Bogen, der ursprünglich für das Schießen vom Pferd entwickelt wurde. Er stammt historisch aus dem asiatischen Raum (z. B. Mongolei, Türkei, Korea).
Merkmale:
- Kompakte Bauform
- Stark reflexe Wurfarme
- Oft ohne Pfeilauflage
- Geschossen mit Daumentechnik (Daumenring)
Durch die kurze Bauform ist der Bogen besonders handlich und eignet sich gut für dynamische Bewegungen – auch außerhalb des Pferdesports beliebt im traditionellen Bereich.
Release
Ein Release ist ein mechanisches Auslösegerät, das beim Compoundbogen anstelle der Finger verwendet wird, um die Sehne zu lösen. Es wird meist am Handgelenk oder in der Hand gehalten und greift in eine D-Loop an der Sehne ein.
Funktionen:
- Sehr kontrolliertes, sauberes Lösen
- Minimale seitliche Beeinflussung der Sehne
- Hohe Wiederholbarkeit
Typen:
- Handheld-Release (Daumen- oder Back-Tension-Auslösung)
- Handgelenk-Release (mit Abzug)
Robin Hood
Ein Robin Hood bezeichnet im Bogensport den Treffer, bei dem ein Pfeil direkt in einen bereits steckenden Pfeil einschlägt – oft so genau, dass er diesen spaltet oder im Nockbereich trifft. Der Begriff stammt von der Legende um Robin Hood, der angeblich einen Pfeil mit einem zweiten gespalten haben soll.
Was passiert dabei?
- Der hintere Pfeil trifft exakt auf den vorderen
- Häufig wird die Nocke zerstört
- Der Schaft kann aufgespalten werden
Bedeutung:
- Teuer für das Material 😄
- Zeichen für sehr enge Gruppierung
Rohschafttest
Der Rohschafttest – auch Blankschafttest genannt – ist eine Methode zur Überprüfung der Pfeilabstimmung (Spine) und des Setups. Dabei wird ein unbefiederter Pfeil (Rohschaft) gemeinsam mit befiederten Pfeilen auf dieselbe Distanz geschossen.
Auswertung:
- Rohschaft trifft nahe bei den befiederten Pfeilen → Setup passt
- Rohschaft trifft seitlich versetzt → Spine prüfen
- Rohschaft trifft höher/tiefer → Nockpunktüberhöhung prüfen
Da dem Rohschaft die stabilisierende Wirkung der Federn fehlt, zeigt er deutlich, ob der Pfeil sauber aus dem Bogen kommt.
Rückenmuskulatur
Die Rückenmuskulatur spielt eine zentrale Rolle im Bogenschießen. Ein sauberer Schuss wird nicht primär aus dem Arm, sondern aus dem Schulter- und Rückenbereich kontrolliert.
Wichtige Muskelgruppen:
- Latissimus (breiter Rückenmuskel)
- Trapezmuskel
- Rhomboiden (zwischen den Schulterblättern)
- Hintere Schultermuskulatur
Bedeutung:
- Stabiler Vollauszug
- Ruhiger Anker
- Kontrolliertes Lösen
- Vermeidung von Überlastung im Arm
Wer „aus dem Rücken“ zieht, schießt konstanter und ermüdet langsamer.
Schaft
Der Schaft ist das zentrale Bauteil des Pfeils – das lange, tragende Element zwischen Spitze und Nocke. Er bestimmt maßgeblich:
- Gewicht
- Stabilität
- Spine (Biegeverhalten)
- Flugverhalten
Materialien:
- Holz
- Aluminium
- Carbon
- Hybrid (Alu/Carbon)
Die Wahl des Schafts muss zum:
- Zuggewicht
- Auszug
- Bogen
- Einsatzzweck (Target, 3D, Feld)
passen.
Scheibenauflage
Die Scheibenauflage ist das bedruckte Papier- oder Kunststoffblatt, das auf eine Zielscheibe aufgebracht wird. Sie enthält die Wertungsringe (z. B. 10 bis 1) und markiert die Trefferzonen.
Typen:
- Standardauflage (z. B. 40 cm, 60 cm, 80 cm, 122 cm)
- Dreifachauflage (Triple-Spot)
- Indoor- oder Outdoor-Varianten
Die Größe der Auflage hängt von:
- Distanz
- Altersklasse
- Bogenklasse
- Regelwerk
ab.